Bekanntlich bin ich registrierter Benutzer des StudiVZ und eigentlich auch recht begeistert von dem Laden, schließlich habe ich so den ein oder anderen Bekannten aus meiner Vergangenheit wiedergefunden.
Als aktiver Teilnehmer im weltweiten Datennetz ist mir natürlich auch nicht die Diskussion rund um die Plattform entgangen, die in der letzten Zeit durch die Blogosphäre geht. Hier wird teilweise recht scharf geschossen und es fällt durchaus schwer, den Überblick zu behalten.
Grundsätzlich lassen sich die Kritikpunkte meiner Meinung nach in zwei Kategorien teilen: Einmal die Kritik an der Person Ehssan Dariani, seineszeichens Mitbegründer des Ladens. Außerdem dann das weite Feld “Abklatsch und Datensicherheit”.
Zu ersterem: Dariani ist nicht mein Typ - dessen war ich mir recht schnell bewusst, als ich seine Einträge im StudiVZ-Blog gelesen hatte. Die “Klo-Interviews”, wegen denen er inzwischen auch in die Kritik geraten ist, fand ich doof nachdem ich das erste gesehen hab. Auch die restlichen Party-Berichte waren nicht nach meinem Geschmack. Einen weiteren Patzer hat er sich sicherlich auch erlaubt, als er eine Einladung im Nazi-Verarsche-Style losgelassen hat. Das hätte er besser mal überschlafen und dann gecancelt. Gerade als Vorsteher einer jungen Firma sollte man sich von solchen Dingen ganz fern halten - auch wenn es 1000x eine Parodie sein soll.
Aber gut: Wir wollen eine Internetplattform, ihre Funktionalität und ihren Nutzen nicht an einem ihrer Gründer festmachen.
Zwoteres Thema finde ich viel unangenehmer: “Abklatsch und Datensicherheit”.
Es wird gemunkelt, dass das StudiVZ nicht nur ein Abklatsch des amerikanischen Facebook ist, sondern die Technik schlichtweg kopiert wurde. Davon halte ich schonmal nicht so viel: Eine Plattform wie das StudiVZ mit (laut eigener Angabe) einer Million Benutzern zu betreiben ist sicherlich eine Sache - aber die dazugehörige Technik ließe sich von einigen fitten Menschen sicherlich innerhalb kürzester Zeit auf die Beine stellen. Wenn man dabei dann auch noch ein wenig auf die Skalierbarkeit des Systems achtet, sollten auch solche “Erlahmungserscheinungen”, wie sie immer wieder auftreten, vermeidbar sein.
Datensicherheit ist ein wichtiges Thema: Ich für meinen Teil habe dort keine Daten veröffentlicht, die man nicht durch kurzes googlen auch herausfinden könnte. Daher bin ich für mich selbst unbesorgt. Nachdenklich macht es mich allerdings schon, wenn Leute ihre kompletten Kontaktdaten (inklusive Anschrift, Zimmernummer im Wohnheim etc.) online stellen. Das halte ich für durchaus gefährlich. Sofern diese Daten sicher sind, ist das alles aber auch wieder nicht schlimm - nur wenn dann Lücken auftauchen und Daten mit kleinen Tricks ausgelesen werden können, dann haben wir ein Problem. Hier ist von Betreiberseite ein schnelles Handeln gefordert und das vermisse ich beim StudiVZ definitiv.
Auf mich wirkt das Ganze inzwischen wie ein böses Flickwerk an Technik. Man (also jeder Benutzer) sollte sich überlegen, welche Daten man denn dort unter die Leute bringt. Bei mir hört das schon vor (!) der Handynummer auf.
Letztes Thema: Kommunikation. Das StudiVZ hat ein Blog. Dieses wird allerdings nur langsam zu dem, was es meiner Ansicht nach sein sollte: Eine Informationsplattform rund um das StudiVZ. Am Anfang fand man dort in losem Zusammenhang und in einem Eintrag Erlebnisse aus Herrn Darianis Party-Nächten (inklusive der doofen Videos), ein wenig technisches und dann auch hin und wieder Versprechungen á la “es kommen tolle neue Features”.
Partyberichte werden inzwischen nicht mehr gebloggt. Leider kommen aber auch die interessanten Informationen nicht so recht rüber. Stellungnahmen zu aktuellen Gerüchten und Behauptungen rund um das StudiVZ vermisse ich zum Beispiel. Einige gab es zwar - aber zu wenig. Gestern war die Seite mehrmals über Stunden nicht erreichbar, einzige Mitteilung hierzu:
Liebe studiVZler, liebe Blogger,
studiVZ hat heute um 12 Uhr einen Phishing-Angriff bemerkt und erfolgreich abgewehrt. Um die Datensicherheit von studiVZ für die Nutzer zu gewährleisten wurde die Seite offline geschaltet. Die Seite ist im Laufe des Abends wieder online.
Euer studiVZ Team
Die restlichen Informationen musste man sich dann wiederum in der Blogosphäre zusammensuchen. Ganz prima! Hier ist definitiv noch Nacharbeit gefragt: Eine Million Benutzer wollen nämlich auch informiert werden!
Fazit: Der Laden ist außer Kontrolle. Merkwürdige Gruppen, Datenlecks und vieles mehr. Mit Hilfe einer gezielten Informationspolitik und konsequenter Überarbeitung der Technik hat das StudiVZ eine Chance. Ansonsten wird hier die Social Web-Blase ganz schnell platzen. Und das fände ich eigentlich schade.
Eine sehr schön geschriebene Zusammenfassung hat Falk Lueke unter dem Titel Die Sorgenfreien geschrieben.
Nix zutun der Schneyra als fremde Plattformen zu interpretieren ;)
Nutz das StudiVZ doch einfach anstatt (Blog)-Gedanken daran zu verschwenden, wem es gehört, wieviel Party er macht und wie das StudiVZ gemacht wurde. Bei Musik oder Filmen ist dir das doch sicher auch egal.
Du bist doch nur Eifersüchtig ;)
Lieber Smyrf: Da hast du den Sinn und Zweck eines Blogs leider nicht verstanden! Das Ding hier ist nun mal da, um meine Gedanken irgendwie unter die Leute zu bringen.
Wem das Ding gehört ist mir furchtbar egal - anscheinend kam das aus dem Absatz über Dariani nicht heraus. Sehen wir es mal so: Bill Gates ist auch nicht gerade mein Homie - aber Word benutze ich trotzdem. Und natürlich nutze ich das StudiVZ - das macht Spaß und ist ne gute Sache. Für mich sehe ich da auch (was Datensicherheit angeht) kein Problem, nur scheinen das viele Leute nicht so arg ernst zu nehmen - das könnte ein Problem werden!